89 Kommentare

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  1. schreibt:

    28. März 2013 at 14:24

    [...] Ach ja, in der selben Ausgabe wettert Detlef Hartlap dann noch gegen #Aufschrei-”Schulhoffeminismus” und “diese stern-Reporterin mit ihrem nachträglichen Buhei.” Aber mit dem Internet, und insbesondere Blogs scheint Herr Hartlap wohl generell Probleme zu haben. Ich habe übrigens überhaupt nichts gegen Reisen ins Baltikum. Ganz im Gegenteil. Nur ist es in der Regel sinnvoll, sich der eigenen Geschichte bewusst zu sein. Ganz besonders, bei Reisen in Länder, die die eigenen Vorfahren Jahrhunderte lang geknechtet und mit Krieg überzogen hatten und gerade in diesen Zeiten, in denen Deutsche Geschichte auch gerne ganz anders verklärt wird. [...]

  2. neuer Leser schreibt:

    28. März 2013 at 16:11

    @ altautonummer

    Danke für den Link. Der Text trifft ins Schwarze.

    Freue mich auch auf deinen Text.

    Es ist zu begrüßen, wenn sich im Web kritische Gegenstimmen zu diesem filmischen Machwerk und der grenzdebilen Posse in der Lanzshow zu Wort melden.

  3. Joseph von Westphalen schreibt:

    28. März 2013 at 16:31

    Ich hatte mich am 21.03.2013 in einem Kommentar zu dem verdienstvollem online Beitrag von Daniel Martienssen im “Freitag” schon einmal zu dem abscheulichen Baring geäußert. Durch den “Perlentaucher” (den man nicht laut genug loben kann) stoße ich nun erneut auf “Baring bei Lanz”, den sich von Floris Biskamp dankenswerterweise noch einmal vorgenommen hat, jetzt analytischer. Auch wenn ich mich wiederhole kann ich mir meinen (erweiterten)”Freitag”-Kommentar nicht verkneifen, der an dieser Stelle vielleicht sinnvoller ist. Hat nicht direkt mit der Lanz-Sendung zu tun, aber um so mehr mit der Person Baring.

    Im November 2011 gab es im 3. Programm des Bayerischen Fernsehens einen skandalösen Talkshowauftritt Barings, der auch nicht in Vergessenheit geraten sollte: Gegen Barings Unverschämtheit war man relativ machtlos und reagierte entschieden zu höflich. Immerhin waren die Moderatorin und Heribert Prantl intelligent und historisch gebildet genug, um Barings Unsinn zu entkräften. Aber genau das brachte den Mann vollends in Rage. Die “Süddeutsche Zeitung”, brachte nichts über den Vorfall. Weil Prantl als einer ihrer leitenden Redakteure in der Talkrunde dabei gewesen war (und sich heftig mit Baring gefetzt hatte) fühlte sich der Zeitung wohl befangen. Ich habe damals in der “Münchner Abendzeitung” im Rahmen meiner dortigen Kolumne folgendes geschrieben:

    “Am vergangenen Dienstag saß Baring in der ‘Münchner Runde’ des Bayerischen Fernsehens (nur zwei Stunden später bei Maischberger!). Um seine Überlegenheit zu demonstrieren, zog er den Mund so schief wie noch nie. Es ging um die ‘Wehrhaftigkeit unserer Demokratie’. SZ-Redakteur Heribert Prantl hatte auf die Existenz, die Widerwärtigkeit und das Mörderische des Rechtsradikalismus hingewiesen, und die Moderatorin Ursula Heller fragte den störrischen Baring höflich, warum er die Gefahren von rechts für harmloser halte als die von links, als dieser plötzlich losschrie, er lasse sich nicht anschreien und er werde in Zukunft nicht mehr mit Leuten reden, die ihm solche dummen Fragen stellen. Er drohte allen Ernstes damit, nicht mehr in Talkshows zu gehen wo ihm derart impertinent widersprochen werde. Schade, dass er nicht vor laufender Kamera rauschgeschmissen wurde. Die anderen schüttelten nach einigen vergeblichen Einwänden nur noch den Kopf wie über einen Unzurechnungsfähigen. Trotzdem eine Sternstunde des Fernsehens, wenn einer, den man immer für einen rotierenden Schwachkopf gehalten hat, sich öffentlich als solcher entpuppt.”

    Die Sendung ist in Netz, dort auch Barings Gezeter gesondert: (http://www.youtube.com/watch?v=-up-YmGRq8M)
    Das ist anderthalb Jahre her. Ich war mir damals sicher, dass nach diesem Auftritt Baring nie wieder zu einer Fernsehrunde eingeladen werden würde. Die Sender aber sind so wenig lernfähig wie Baring. Der Mann ist nicht nur eine larmoyante rechte Keife, die (ich wähle absichtlich ein weibliches Wort, weil der Mann etwas von einem zeternden Weib hat), die mit ihren widerwärtigen politischen Ansichten auf Teufel komm raus Leben ins fade Fernsehen bringen soll, er ist darüber hinaus tatsächlich übergeschnappt, und das schon seit längeren. Aber eben nicht übergeschnappt, wie man es so dahin sagt, sondern WIRKLICH. Gestört. Vielleicht räumt man ihm mildernde Umstände ein? So hat man einen Narren mit garantiertem Zoff und gleichzeitig eine Ausrede für die quotenträchtigen Ausfälle. Baring hat sich den Narrentitel aber erschlichen. Er ist eben kein echter Narr, vielmehr eine Beleidigung aller echten Narren, denen man ja das Aussprechen von Wahrheiten nachsagt. Mit dem Ticket (Klartext zu reden) reist die abscheuliche Kreatur, und die Sender fallen darauf rein.

    Es hatte 2011 Warnungen vor Baring an Redaktionsleiter der ‘Münchner Runde’ gegeben. Barings Unberechenbarkeit und intellektuelle Ausfallerscheinungen waren längst bekannt. Für ein ernstzunehmendes Thema ist der Mann kein Gewinn, sondern ein Risiko. Nach der Sendung hatte sich Baring dann beruhigt, dafür trat seine Verrücktheit nun deutlicher hervor als während seines hysterischen Keifens in der Sendung. Falls sich die von ihm befürchtete linke Diktatur (sic!) nicht verhindern lasse (durch wehrhafte Neonazis!) würden die anderen Gäste der Runde, Heribert Prantl zum Beispiel, doch hoffentlich ein gutes Wort für ihn einlegen und ihn gegebenenfalls beherbergen. Solche Backstage-Bemerkungen sind nicht mehr ernst zu nehmen und werden womöglich ratlos als Ironie verbucht. Baring fängt seine Idiotie damit raffiniert auf.

    Schuld trifft vor allem die Sender, die einem ebenso arroganten wie größenwahnsinnigen Jammerlappen immer wieder als vermeintlichen Unterhalter einladen, damit seinen Größenwahn vermehren, seinen unsäglichen Ansichten Sendezeit geben – und das kritische Publikum anwidern. Wenn schon die NPD nicht verboten werden kann, dann bitte doch wenigstens die Fernsehauftritte Barings. Ich glaube nicht, dass seine Auftritte dazu da sind, um dem Fernsehvolk rechtes Denken vorzuführen.

    Hätten Lanz und seine anderen Gäste Mumm und Verstand genug gehabt, um zu widersprechen, hätte sich Baring nur ein weiteres Mal so grotesk echauffiert wie damals in der Münchner Runde, was dann doch wieder nur zu einem weiteren lustigen Youtube-Video geführt hätte und sicherlich nicht zu seiner längst fälligen Einweisung Barings in die Klapsmühle.

  4. schreibt:

    28. März 2013 at 17:31

    @Uri Degania Ich habe mir die Talkshow mit Anne Will, auf die Sie verweisen, angeschaut und kann Ihren Kommentar nicht nachvollziehen. Frau Baring bestreitet mit keinem einzigen Wort die Schuld von Deutschen am 2. Weltkrieg, an dem Massenmord an Juden und anderen Gruppen, ganz im Gegenteil, sie verweist ja zwischendurch auch auf den Mord an Behinderten. Schon garnicht bezeichnet sie die Juden in irgendeiner Form, direkt oder indirekt, als Täter. Die agressive Reaktion von Serdar Somuncu voller Unterstellungen und Belehrungen finde ich äußerst befremdlich. Frau Baring erwähnt nur die Traumata, die Deutsche, die z.B. Opfer von Vergewaltigung, Bombenkrieg, Flucht etc. (oft als Kinder!) wurden, erlitten haben und teilweise an die nächste Generation weitergegeben haben. Mit den Folgen wird sie als Therapeutin konfrontiert. Das bedeutet ja nicht, dass sie die Geschichte irgendwie verleugnet oder umdreht. Sehr befremdend auch Frau Bruns, die behauptet, ausnahmslos alle seien schuld gewesen. Vor einer solchen Haltung (“Kollektivschuld”) hat schon Hannah Arendt ausdrücklich gewarnt, da sie die eigentlich Verantwortlichen entlastet.

  5. Uri Degania schreibt:

    29. März 2013 at 09:22

    @ Finn:
    Ich bin Ihnen für Ihre erhellenden Hinweise dankbar. Sie spricht für sich. Wahrnehmungen sind halt unterschiedlich…
    Zur „Familientherapeutin Frau Baring:
    „Familientherapeut“ ist kein geschützter Beruf. Letztlich jeder kann sich „Familientherapeut“ nennen.
    Frau Baring hat, nach allem was zu hören ist und was sie über sich selbst sagt, keinerlei psychoanalytische Ausbildung. Sie ist Heilpraktikerin. Sie bezieht sich in ihrer Selbstbeschreibung auf die „Heilslehren“ Bert Hellingers, der das sog., mehr als umstrittene Verfahren der „Familienaufstellung“ erfunden hat. Unter Fachleuten gilt es als ein sektenähnliches, autoritäres Massenverfahren.
    Bekannt wurden Hellingers Äußerungen – und hier sind wir sehr beim Thema besagter Talkshows – dass Holocaustopfer und -täter (also, in zahlreichen Fällen: Massenmörder) ohne moralische Unterscheidung auf eine Stufe gestellt werden müssen. Opfer leiden. Täter leiden. Alle sind gleich. Alle haben nur eine Aufgabe: Von ihrer Vergangenheit los zu kommen, sich mit denen, die ihnen z.T. schwerstes Leid angetan haben, „zu versöhnen“. Bekannt wurde Hellingers „sehr deutsche“ „therapeutische Schlussfolgerung“: Das jüdische Volk finde erst dann seinen Frieden mit sich selbst, mit seinen arabischen Nachbarn und mit der Welt, wenn auch der letzte Jude für Hitler das Totengebet gesprochen habe.
    Diese grausame Erfahrung mussten nicht wenige Shoahüberlebende, die „dennoch“ in Deutschland geblieben waren, sehr konkret machen: Wenn sie verfolgungsbedingte Entschädigungen in Anspruch nehmen wollten begegneten sie in den Entschädigungsämtern bis in die 80er und 80er Jahre durchaus nicht selten eben jenen Medizinern und Verwaltungsbürokraten, die ihnen in der Nazizeit ihre „erbbiologische Defizienz“, ihre „jüdische Rassenschande“ diagnostiziert hatten. Die ihre Familien mittels dieser „medizinischen Diagnosen“ in den Tod geschickt hatten. Ein sehr dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, welches erst in den letzten 20 Jahren, 30 ansatzweise aufgearbeitet worden ist.
    Zu den Barings: Ihr Ehemann Arnulf Baring gilt als ein Unterstützer der rechtsradikalen „Jungen Freiheit“. Als ein „Blitzgescheites Temperamentbündel“ feierte eben diese ihn zu seinem 80. Geburtstag – den Link lasse ich mal weg.
    Wenig überraschend: Die Welt titelte 2006: „Unterstützung für “Junge Freiheit”“ – als Fürsprecher dieses mehr als rechtslastigen Magazins traten, so schließen sich die Kreise, Norbert Geis, Arnulf Baring, Olaf Henkel und Ernst Nolte öffentlich in Erscheinung: http://www.welt.de/print-welt/article196782/Unterstuetzung-fuer-Junge-Freiheit.html
    Und so fügt es sich in diese familiäre Tradition, dass der „Junge Freiheit Buchdienst“ (auch diesen Link lasse ich bewusst weg) Frau Barings „familientherapeutisches Buch“ „Die geheimen Ängste der Deutschen“ in der Tradition Hellingers unter der Überschrift bewirbt: „Es ist Zeit, uns von der Vergangenheit zu befreien“.
    Die Zahl der Expertisen und Analysen, die Hellingers therapeutische Methode scharf kritisiert haben, ist lang. Ihr fachlicher Wahrheitsgehalt ist offenkundig.
    Die ZEIT resümierte zu Hellinger im April 2011 zutreffend: „Die Familienaufstellung birgt zwei große Gefahren: Erstens werden Teilnehmer durch die »Analyse« des wissenden Feldes massiv beschuldigt. Brustkrebs zum Beispiel wird dann als Sühne für Unrecht gedeutet, das einem Mann angetan wurde. Zweitens drängen Anbieter Betroffene während einer Sitzung zu demütigenden Handlungen wie Niederknien. Wer sich weigert, muss angeblich mit schweren Konsequenzen rechnen: »Er wird sterben. Er geht nicht raus aus der Verstrickung« (Bert Hellinger über einen Leukämiekranken).
    »Familienaufstellungen haben den klerikalen Charakter einer Beichte«, sagt Wolfgang Hantel-Quitmann, Professor für Klinische Psychologie und Familienpsychologie an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften: »Ziel ist nicht, Menschen dabei zu helfen, den für sie richtigen Weg selbst herauszufinden, sondern ihnen eine Einsicht in die Lehren Hellingers zu suggerieren und sie von diesen abhängig zu machen. Das ist eine fundamentale Verletzung der Autonomie der Klienten.«“
    http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/04/Dossier-Esoterik-Seelenpfuscher/
    Und in „Psychologie 3/2003 hebt Prof. Klaus Weber zusammenfassend hervor: „Hellinger arbeitet daran, geschichtliches Denken, kritische Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verunglimpfen. Er verharmlost darüber hinaus den deutschen Faschismus, verherrlicht Hitler und diskriminiert die Juden.“
    Siehe auch:
    http://www.hagalil.com/archiv/2004/06/hellinger.htm
    http://www.hagalil.com/archiv/2004/04/hellinger.htm
    Und diese geschichtsrevisionistische Überzeugung spiegelt sich nach meinem Dafürhalten in den Äußerungen von Frau Baring in besagter Talkshow sehr deutlich wieder. “Darauf haben wir uns in Mitteleuropa geeinigt, dass wir nacheinander reden”, versucht sie den türkischstämmigen Kabarettisten Serdar Somuncu für eine kritische Zwischenbemerkung abzukanzeln, zu belehren. Ein Somuncu (dieser ist Übrigens Mitglied des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland http://www.exilpen.net/mitglieder/mitgliederliste/serdar-somuncu.html ) muss offenkundig erst über die deutsche Leitkultur belehrt werden. Dass sie sich überhaupt mit solchen fremdländischen Menschen an einen Tisch setzen muss erscheint ihr wohl schon als eine Zumutung. Hiermit ist sie bei Serdar Somuncu – für mich einer der bedeutendsten gegenwärtigen Kabarettisten hierzulande – an den Falschen geraten. Sehenswert! Auch Volker Beck platzt endgültig der Kragen, als Baring die Eindeutigkeit von Opfer- und Täterzuschreibungen in Abrede stellt.
    Und dass ausgerechnet eine Journalistin wie Wiebke Bruns von „Finn“ attackiert wird spricht für sich. Wiebke Bruns, geboren 1938, gehörte zu den Ersten, die über die nationalsozialistische Familienbiografie ihres Vaters geforscht und publiziert hat: Meines Vaters Land. Geschichte einer deutschen Familie; Nachrichtenzeit. Meine unfertigen Erinnerungen. Aber auch: Ein Jerusalem; weiterhin: Exodus in eine fremde Heimat. Rußland-Emigranten in Israel.
    Ja, das passt alles. Finn, danke für Ihre erhellende Intervention. Ein wertvoller, erhellender Widerspruch…

  6. Uri Degania schreibt:

    29. März 2013 at 11:06

    Ein letzter Hinweis auf Frau Barings theoretischem Impulsgeber, Herrn Hellinger und dessen absurd-zynischem, antisemitisch anmutendem Gemisch aus “Therapie”, “Schuld”, “Juden”, “Nationalsozialisten” “Täter-Energie von Juden” und der Gleichwertigkeit von “Leiderfahrungen”:

    “Auch in Meersburg machte Hellinger deutlich, wofür er steht. Er trat am Sonntagabend vor etwa 90 Kongressteilnehmern in der Sommertalhalle auf. Dabei sagte er unter anderem: “In Deutschland werden ja viele der Nationalsozialisten verteufelt. Wer das sagt, fühlt sich besser als die. Was macht er? Er wird aggressiv, und weil er die ablehnt, merkt er gar nicht, dass er durch die Ablehnung ihnen gleich wird.”
    Und weiter: In Deutschland werde man für seine Meinung angefeindet, in Israel müsse man sich damit nicht zurückhalten. So könne man sehen, “dass in vielen Familien, in denen es Opfer des Holocausts gibt, ein Mitglied Täter-Energie hat. Weil die Täter abgelehnt werden, übernimmt ein anderer die Energie. Alles, was wir ablehnen, werden wir selber”.
    Link: http://www.schwaebische.de/home_artikel,-Der-Auftritt-des-Psycho-Gurus-Hellinger-sorgt-fuer-Aerger-_arid,2161141.html

    Martin Hohmann erscheint da schon als eine geradezu moderate Persönlichkeit…

  7. Uri Degania schreibt:

    29. März 2013 at 11:52

    Ich wollte über Frau Barings Lehrmeister Hellinger wirklich nichts mehr schreiben, nichts mehr über “Täter-Energie” von Juden lesen… Es ist einfach zu abstoßend.
    Ich schaue mich noch einmal Hellingers eigene Website an – und finde, an zentraler Stelle, diese Beschreibung einer “Behandlung”, einer “Heilung”. O-Ton:

    “Der Friede
    Ich habe in Israel Aufstellungen in einen Kurs demonstriert. Es war ein junger Mann dabei, der sagte, er wolle sich das erst mal anschauen bevor er mitmacht. Nach der ersten Sitzung hat er sich bereit erklärt, im Kurs zu bleiben.
    Seine Familie war mit einer Gruppe nach Ägypten gereist. An der Grenze hat ein ägyptischer Wachmann um sich geschossen und acht israelische Kinder getötet, darunter die Schwester des Klienten. Er war damals acht Jahre alt.
    Ich habe das aufgestellt: die erschossenen israelischen Kinder, den ägyptischen Wachmann und den Klienten.
    Der Klient wollte nicht hinschauen und hat sich abgewandt. Bei ihm hat sich nichts bewegt.
    Dann habe ich fünf palästinensische Kinder, die von Israelis getötet wurden, sich auf den Boden legen lassen. Damit kam Bewegung in die Gruppe. Einige der israelischen Kinder wollten hinüber zu den palästinensischen Kindern. Diese aber haben sich zurückgezogen.
    Dann habe ich Stellvertreter für Eltern der erschossenen israelischen Kinder aufgestellt, und Stellvertreter für die getöteten palästinensischen Kinder.
    Der ägyptische Wachmann ging hinüber zu den Eltern der israelischen Kinder und hat geweint. Der Klient ging zu den Eltern der palästinensischen Kinder. Sie haben sich umarmt. Die palästinensischen Kinder sind auf dem Boden zu den israelischen Kindern hingekrochen.
    Was konnten wir hier sehen? Erst wenn wir alle in den Blick nehmen und sie einen Platz in unserem Herzen bekommen, finden diese Kinder Frieden.”

    Und wenig später, abschließend, resümmiert Hellinger unter dem Titel ”
    Demut”:
    “Vor längerer Zeit bin ich in Israel an den See Genezareth gefahren, an den Platz, an dem Jesus die Bergpredigt gehalten hat. Ein wunderschöner Platz, ganz still, ganz friedlich. Dort hat er gesagt: „Selig die Friedensstifter, sie werden Kinder Gottes heißen.“ Und er hat gesagt: „Liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen.“ Und: „Mein Himmlischer Vater lässt die Sonne scheinen über Gute und Böse und Regen fallen über Gerechte und Ungerechte.“ Wir alle kennen das.
    Als wir zurückgefahren sind, habe ich mir vorgestellt: Was geht in einer Seele vor, die sich dem öffnet? Was heißt das genau? Wenn wir in die Seele hinein spüren, wenn das jemandem gelingt, was muss da vor sich gehen?
    Dann kam mir ein Satz: „Liebe heißt anerkennen, dass alle anderen mir vor etwas Größerem gleichen.“ Demut heißt das Gleiche, Vergeben und Vergessen auch: Anerkennen, dass alle anderen mir vor etwas Größerem gleichen.”

    http://www2.hellinger.com/home/bert-hellinger/lebenshilfe-aktuell/ausgabe-11-april-2011/taeter-und-opfer/

    Es ist unglaublich, Frau/Herr “Finn”. “Die agressive Reaktion von Serdar Somuncu voller Unterstellungen und Belehrungen finde ich äußerst befremdlich. Frau Baring erwähnt nur die Traumata, die Deutsche, die z.B. Opfer von Vergewaltigung, Bombenkrieg, Flucht etc. (oft als Kinder!) wurden, erlitten haben”…

  8. schreibt:

    29. März 2013 at 12:14

    Uri Degania, Ihre Unterstellungen, ähnlich agressiv vorgetragen wie die von Serdar Somuncu, sprechen für sich. Ich will sie nicht weiter kommentieren, nur darauf hinweisen, dass sehr viele Therapeuten mit der Idee der Familienaufstellung arbeiten, ohne irgendwie “rechs” zu sein. Ob das Verfahren sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Von Hellingers Auffssungen würden sie sich aber ganz bestimmt klar distanzieren. Ich nehme an, dass das auch bei Frau Baring der Fall ist. Das Buch von Frau Bruns habe ich gern gelesen. Trotzdem habe ich mich über ihre Reaktion in der Talkshow sehr gewundert. Ich finde, man darf jeden kritisieren, es gibt keine Heiligen, und eine solche, irrationale Reaktion findet man in Deutschland nicht selten, wenn es jemand wagt zu erwähnen, dass auch Deutsche(vor allem Kinder!) Opfer des Krieges wurden und bis heute darunter leiden. Wenn Sie Mdenschen, die als 12-jährige vergewaltigt wurden, ihre Geschwisten haben verbrennen oder erfrieren sehen, oder die an der seelischen Verhärtung ihrer Eltern zu leiden hatten, wegen iherr Nationalität und Ethnizität pauschal als “Täter” bezeichnen, dann sind sie kein bisschen bessser als Arnulf Baring, wenn er Juden als Täter bezeichnet! Ich betrachte diese Mischung aus gnadenloser Inquisition und Irrationalität als ein Erbe der Nazi-Zeit. Viele sollten sich mal mit ihrer Familiengeschichte und der Einstellung der Eltern beschäftigen und darüber reflektieren, wie sie einen bis heute geprägt hat.

  9. schreibt:

    29. März 2013 at 13:23

    @Uri Degania Noch als Ergänzung: die Zitate, die sie bringen, sind ja nicht uninteressant. Ich habe aber keine Ahnung, wie Frau Bahring zu Hellinger steht (dass sie Familienaufstellung befürwortet, sagt nichts darüber aus, denn die kann man auch betreiben, ohne solche seltsamen Auffassungen zu vertreten), möchte sie aber unabhängig von ihrem Mann beurteilen. Ich verstehe nicht, was sie Schlimmes in der Talkshow gesagt haben soll. Vielleicht ein Zitat? An sich finde ich ihren Ansatz sehr sinnvoll. In vielen Familien wurde nie über den Krieg gesprochen, nie getrauert, das macht die Menschen hart und unbarmherzig. Ein erfrorenes oder verbranntes Kind ist aber nun mal ein Opfer, völlig unabhängig von Nationalität und Ethnizität. Das ist die Basis der Menschenrechte! Warum kapieren das hierzulande so viele nicht? In dem Film “Deutschland, bleiche Mutter” wird dargestellt, wie grausam viele Deutsche auch mit sich selbst umgegangen sind! Wie hat es Ralph Giordano ausgedrückt: “Ich will über das Leid, das den Deutschen angetan worden ist, genau so erschüttert sein wie über das Leid, das von Deutschen über andere gebracht worden ist.´… Die Humanitas ist unteilbar – mein Credo!” Gleichzeitig betont er immer wieder, dass die Vorgeschichte nicht ausgeblendet werden darf. Das widerspricht sich doch nicht!

  10. Uri Degania schreibt:

    29. März 2013 at 13:25

    @Finn: es ist ok, lassen wir es. Ein dezenter Hinweis: Ich habe keine Unterstellungen vorgenommen, sondern den Autor dargestellt, auf den sich Frau Baring explizit, in ihren Selbstdarstellungen, als theoretischen und “therapeutischen” Erklärungsansatz, bezieht. Die Kritk an Herrn Hellingers esoterosch-reaktionären (oh, sorry, welch aggressive Sprache…) Methoden sind seit sehr vielen Jahren in der Fachöffentlichkeit bekannt. Auch Frau Baring müssen sie bekannt sein. Und die Gemeinsamkeiten in der Argumentation und in der Interpretation zwischen Frau Baring und Herrn Hellinger sind offenkundig, wenn es um das “nationalsozialistische Erbe” geht.
    Also, es ist von meiner Seite aus gesagt, was zu sagen ist.
    Ich schätze Serdar Somuncu (und beispielsweise auch Wilfried Schmickler; wie auch die leider verstorbenen Matthias Beltz und Heinrich Pachl) als großartigen Kabarettisten. Er hat jahrelang über Hitler und Göbbels Kabarett-Auftritte gemacht, meist mit schusssicherer Weste, ist hierbei vor wohl 250.000 Menschen aufgetreten.

    Da Sie seine Auftritte ja offenkundig so sehr mögen hier ein paar Empfehlungen:

    Oh, schrecklich, hier hält er sich sprachlich nicht zurück:

    http://www.youtube.com/watch?v=iorbyg-BgjY

    Hier ein Ausschnitt über “Serdar Somuncu – Hassprediger – Ein demagogischer Blindtest”, O-Ton: “es wird flächendeckend beleidigt” und “Jede Minderheit hat ein Recht auf Beleidigung”:
    http://www.youtube.com/watch?v=d1gSyTxbR6M

    Ausschnitte aus seinen reden von Joseph Goebbels:
    http://www.youtube.com/watch?v=r9tAY8JIeJY

    Serdar u.a. über Heimatliebe – im Freistil:
    http://www.youtube.com/watch?v=euuyIX038lk

    Über “moslemische” Konvertiten wie Pierre Vogel:
    http://www.youtube.com/watch?v=HGgW9XBxMIc

    Ein weiterer Auftritt bei Herrn Lanz, 12.7.2011 – Serdar ich Höchstform:
    http://www.youtube.com/watch?v=669CVEvy9VY

    Und hier finden Sie den Ausschnitt, wo Somuncu 2005 in Dippoldiswalde von Neonazis gestört wurde – und mehr als souverän hierauf reagierte, diese jungen Nazis in sein Program einbaute:
    http://www.youtube.com/watch?v=zbXKANSR0IA

    Also, wir sind uns einig darin, dass wir uns nicht einig werden können.
    Aber auch dies gehört zum Thema…

  11. schreibt:

    29. März 2013 at 13:42

    Ich denke, die Hellinger-Debatte ist weitgehend geführt. Ich würde es begrüßen, wenn die Diskussion nun langsam zum Thema zurückkehren könnte. Vielen Dank.

    MhG
    A. Reisin

  12. Rainer schreibt:

    29. März 2013 at 17:10

    Uns fehlt eben Beate Klarsfeld, dafür haben wir eben Lanz. Am Goebbels-Nachfolger wird noch gearbeitet.

  13. Uri Degania schreibt:

    29. März 2013 at 18:51

    Da im Kontext von “Täter-” und Opferdiskursen Ralph Giordano erwähnt wird sei dieses aktuelle, lange Interview mit dem knapp 90-jährigen erwähnt:
    http://www.srf.ch/player/tv/nzz-standpunkte/video/ralph-giordano-warum-erinnern-wichtig-ist?id=a61f23fd-adac-41c9-a655-751d16482ebc

    Kürzlich ist hier dieses tiefgründige Giordano-Portrait erschienen:
    http://www.publikative.org/2013/03/20/du-bist-davongekommen-du-bist-davongekommen-ralph-giordano-wird-90/

    Und wie sehr sich die seelischen Nachwirkungen von Verfolgungserfahrungen russisch-jüdischer Nachkommen von denen der meisten Deutschen unterscheiden wird hier diskutiert:
    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15507

  14. altautonomer schreibt:

    2. April 2013 at 09:00

    Uri: Die von Dir verlinkte Kritik von Dr. Süselbeck ist an sorgfältiger Analyse und umfassender Beschreibung nicht zu überbieten. Das Beste, was dazu bisher publiziert wurde.

    Ich habe seit seiner Ausstrahlung in ZDF keinen Text gelesen, der den Film dermassen stichhaltig argumentativ auseinander nimmt, wie dieser.

    Danke.

  15. Anaconda schreibt:

    2. April 2013 at 11:16

    @Finn

    ” Ich verstehe nicht, was sie Schlimmes in der Talkshow gesagt haben soll.”
    Man kann sich aber auch absichtlich ahnungslos stellen, oder? Es wurden doch von U.Degania entsprechende Aussagen zitiert. Aber um noch mal welche zu nennen: Sie sagt beispielsweise, es gäbe keine ausschließlichen Opfer und keine ausschließlichen Täter. Man sei das immer auch gleichzeitig. Das ist, nicht nur bezogen auf den 2. WK, ziemlicher Humbug. Sicher gibt es manchmal Täter, die auch Opfer sind/waren und umgekehrt. Manche Menschen sind aber einfach nur Täter, deren Taten nicht mit angeblichem Opferdasein zu relativieren sind. Ebenso gibt es Opfer, die einfach Opfer sind, ohne zugleich Täter zu sein. Das Zuschreiben einer Täterrolle dient doch ganz offenkundig nur dazu, dem Opfer auf subtile Art und Weise eine gewisse Mitschuld an seinem Schicksal zu geben und den Täter damit zu etlasten.

    Um mal auf den 2. WK zurückzukommen: Sicher ist es hier so, dass viele Deutsche auch Opfer wurden und ihnen schreckliche Dinge widerfahren sind. Auf meine eigene Familie trifft das beispielsweise zu und meiner Meinung darf man über solche Schicksale sehr wohl auch reden. Was aber Leute wie die Barings gern unter den Tisch fallen lassen, ist die Tatsache, dass dies nun mal nicht von ungefähr kam, wie es Volker Beck auch ganz zutreffend ausführt.

    Ein weiteres Beispiel für Frau Barings unmögliche Aussagen ist ihre Zurechtweisung von Serdar Somuncu, man hätte sich hier, in Mitteleuropa, darauf geeinigt, sich ausreden zulasssen und nach einander zu sprechen. Allein angesichts dieser Dreistigkeit finde ich Somuncus Reaktion gar nicht besonders agressiv, sonder verhältnismäßg beherrscht.

    Ich stelle mir gerade vor, wie die Barings daheim beisammen am Frühstückstisch sitzen und, bei Kaffee und Brötchen, mit feuchten Augen über das harte Opferdasein der Deutschen schwadronieren. Örks…

  16. neuer Leser schreibt:

    2. April 2013 at 13:55

    @ Uri Degania

    WOW! Danke für den Link. Ein weiterer, sehr wichtiger Gegenbeitrag zu der ansonsten einstimmigen plumpen Lobhudelei für dieses Machwerk!

  17. Finn schreibt:

    4. April 2013 at 01:24

    @Anaconda Nein, ich stelle mich nicht ahnungslos, ich verstehe immer noch nicht, was Gabriele Baring Schlimmes gesagt haben soll. Sie zitieren sie nämlich falsch. Ich habe mir die entsprechende Stelle noch einmal angeschaut. Anne Will fragt sie „Waren die Deutschen nicht vor allem Täter?“. Frau Baring antwortet darauf: „Sie waren Täter und sie waren auch Opfer. Ja! Es gibt nämlich keine, nirgendwo auf der Welt, reine Tätergruppen und es gibt auch nirgendwo auf der Welt reine Opfergruppen.“ Es geht also nicht um die einzelnen Menschen, die „einfach nur Täter“ sind. Vielleicht hätte sie ja erklären können, was sie genau meint, wenn man sie mal hätte ausreden lassen. Auch in der Kritik zur Sendung in Spiegel Online meinte der Autor, dass dies nicht zu klären war, denn „Somuncu und sein sehr uncooler grüner Hilfspolizist Beck tricksten fortan nach allen Regeln der Diskursunkultur.“. http://www.spiegel.de/kultur/tv/anne-will-zu-mein-kampf-im-schul-unterricht-schrecklich-komisch-a-831053.html
    Ich fand, dass die beiden sowie Frau Bruns fast schon hysterisch und irrational reagierten.
    Als ähnlich irrational empfinde ich einige Aussagen in dem hier verlinkten und gelobten Artikel von Jan Süselbeck. Der ist Literaturwissenschaftler, kennt zwar jede Menge Bücher und Filme zum Thema aber weiß leider nicht so viel über historische Fakten. Der Artikel ist aber interessant, denn er verrät einiges über die Psyche und Einstellung des Autors, vor allem der Absatz: „Viktor aber sehen wir am Ende munter mit einem sportiven Wanderrucksack durch das zerstörte Berlin hüpfen, während am Horizont die Gedächtniskirche auszumachen ist – nebenbei abermals die Verkehrung einer Einstellung auf das von den Deutschen komplett dem Erdboden gleichgemachte Warschau in Roman Polanskis Film „The Pianist“ (1998). Aus Warschau wird Berlin: Auch deutsche Städte wurden in diesem sinnlosen Krieg zerstört, wird uns eingebläut – nicht zuletzt eine implizit aufrechnende visuelle Botschaft, die noch einmal an Nico Hofmanns Film „Dresden“ gemahnt.“
    Seit wann muss es den Deutschen „eingebläut“ werden, dass deutsche Städte zerstört wurden? Das gehört zum Allgemeinwissen, aber offenbar hält der Autor dieses Wissen für gefährlich und möchte es gern abschaffen. Dann dürfen keine Szenen mehr gedreht werden, die 1945 z.B. in Berlin, Dresden oder Hamburg spielen, jedenfalls keine Außenaufnahmen, denn das könnte ja angeblich als „aufrechnend“ empfunden werden; dann dürften aber auch keine Filmaufnahmen mehr aus dieser Zeit in Dokumentarfilmen gezeigt werden. George Orwell lässt grüßen. Was verursacht eigentlich diese Angst vor Fakten?
    Weiter zum Text: der Autor nennt keine Zahlen. In der Literatur findet man aber folgende Angaben: Von 3,15 Millionen deutschen Soldaten in sowjetischer Kriegsgefangenschaft kamen 1,11 Millionen ums Leben. Die meisten Soldaten wurden aber am Ende des Krieges zu Kriegsgefangenen. Ihnen ging es in der Tat, trotz zahlreicher Härten, insgesamt sogar besser als vielen verschleppten Zivilisten. In den ersten beiden Jahren des Krieges gegen die Sowjetunion wurden jedoch über 90 % der deutschen Soldaten, die von den Sowjets aufgegriffen wurden, sofort getötet, häufig nach Folter. Die nachrückenden deutschen Soldaten fanden häufig ihre verstümmelten Leichen vor, dazu gibt es sogar Filmaufnahmen, In diesem Fall muss man also sogar der Bild-Zeitung recht geben, wenn sie auf die Grausamkeiten von beiden Seiten verweist. Es lohnt sich, Literatur zu lesen, aber wer keine Zeit hat, empfehle ich diese hervorragende Dokumentation des BBC „War of the Century“. http://www.youtube.com/watch?v=SVo-2jfeoMM
    Von den weit über 5 Millionen sowjetischen Soldaten, die in die deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten, kamen 3,3 Millionen ums Leben. Ein Großteil davon, und das ist umfangreich dokumentiert, in Lagern: Sie verhungerten, starben an Seuchen, wurden auch vergast oder aber erschossen, dies in den KZs. Wie ist das möglich, wenn angeblich, wie der Autor suggeriert, keine Gefangenen gemacht wurden, d.h. die sowjetischen Soldaten bei Gefangennahme in der Regel sofort erschossen worden seien? Dass dies nicht selten vorgekommen ist, ist bekannt, aber die meisten wurden eben in Lager geschickt.
    Es gibt durchaus einiges an dem Film zu kritisieren. Dass es auch möglich ist, dies auf einigermaßen fundierte Weise zu tun, zeigt der Artikel von Adam Krzeminski, der heute in der SZ erschienen ist: http://www.sueddeutsche.de/kultur/2.220/debatte-um-unsere-muetter-unsere-vaeter-der-polnische-lueckenbuesser-1.1635654

  18. Finn schreibt:

    4. April 2013 at 13:03

    Ehe ich wegen meines vorherigen Posts falsch verstanden werde: Ich will ganz bestimmt nicht die Nazis und ihre Verbrechen irgendwie verharmlosen! Aber wenn man meint, dass die Opfer, die es nun mal auch unter den Deutschen gegeben hat, zu sehr in den Vordergrund rücken, dann kann die Lösung doch nicht sein, deren Schicksal zu verschweigen. Es muss in einer Verfilmung darum gehen, Grausamkeit und Verbrechen anzuprangern, die Leiden, die ein Krieg mit sich bringt, realistisch darzustellen. Flucht und Vertreibung z.B. hat Million Deutsche betroffen, warum also soll ein Film darüber ein Problem sein? ABER: Warum werden keine großen Filme aus Sicht der Zivilbevölkerung in Polen, Weißrussland, der Ukraine, Russland gedreht? Warum keine deutsch-russische Gemeinschaftsproduktion über das Schicksal der Bewohner Leningrads während der Blockade? Fast eine Million sind dort umgekommen! Auch Dokumentarfilme darüber sind rar und das Wissen darüber unter den Deutschen ist gering! Hier liegt das Problem! Es gibt zu wenig Wissen, nicht zu viel!!

  19. Uri Degania schreibt:

    5. April 2013 at 10:22

    Frau Finn: Wie ich bereits vorhergehend schrieb: Es gibt keine Möglichkeit des Verstehens. Wenn Sie als “Familientherapeutin” nicht nachvollziehen können, wie empörend, geschichtsrevisionistisch “die Barings” agieren so ist Ihnen nicht zu helfen.
    Das ist ok.
    Ihre Art jedoch, anderen Autoren – in diesem Fall: Serdar Somuncu, Volker Beck, Wiebke Bruns (und meiner Person) – Dinge zu unterstellen, sie subtil moralisch abzuwerten, an ihnen Ihr eigenes Ressentiment abzuagieren: Ja, dies korrelliert sehr mit “den Barings”.
    Niemand stellt hier in Frage, dass als Folge der deutschen Verbrechen auch viele Deutsche leiden mussten. Aber sie tragen für die Verbrechen, die sie nun einmal ermöglich, begünstigt etc. etc. haben, die historische Verantwortung. Verantwortung, nicht mehr.
    Lesen Sie einmal die neue Studie von Götz Aly (ich bin kein absoluter “Aly-Fan”): Ich sag es jetzt nur aus dem Gedächtnis, ungeprüft: Aber er weist wohl nach, dass in der Nazizeit allein eine Millionen Deutsche sich ganz konkret an der Ausbeutung, Vertreibung, Ermordung “ihrer jüdischen Mitbürger” bereichert haben.
    Aber lassen wir das. Wie ich bereits vorhergehend geschrieben habe:
    Also, wir sind uns einig darin, dass wir uns nicht einig werden können.
    Aber auch dies gehört zum Thema…
    Lassen wir es.

  20. Finn schreibt:

    6. April 2013 at 12:42

    Uri Degania, woher wissen Sie, dass ich eine Frau bin? Das stimmt sogar, ich bin jedoch keine Familientherapeutin. Das ist der Beruf von Frau Baring. Vielleicht sind wir uns in manchen Dingen gar nicht so uneins, wie Sie denken. Das Buch von Frau Bruns hat mir sehr gefallen und ich kann es jedem empfehlen. Herr Somuncu war mir bis zu seinen Ausbrüchen gegen Frau Baring sogar sympathisch und seine Arbeit mit Schülern erscheint mir sehr lobenswert. Über Herrn Baring habe ich hier gar nicht gesprochen, ihn nur einmal erwähnt, und das war in einem negativen Zusammenhang. Ich möchte Frau Baring unabhängig davon beurteilen. Sie hat ja Herrn Somuncu nicht widersprochen, sogar zugestimmt, als er von der Verantwortung der Deutschen sprach. In der Sendung bekam sie ansonsten keine Gelegenheit, zu erklären, was sie eigentlich will, und das lag an der Reaktion einiger der anderen Gäste, und davon war ich sehr irritiert. Ich möchte einfach verstehen, was dahinter steckt, welche Psychologie, vielleicht dieselbe Psychologie, wie sie auch in manchen Beiträgen und Kritiken zum Film zum Ausdruck kommt.
    Frau Baring hat ein Buch geschrieben über die „German Angst“. Das habe ich nicht gelesen, aber an dieser Idee – diese Angst in Deutschland, bestimmte Dinge zu berühren, sich ihnen auszusetzten – scheint etwas dran zu sein.
    Ich habe mir das Kriegstagebuch von dem Pazifisten und Nazi-Gegner Kurt Kretschmann noch einmal durchgelesen. Ein Zitat daraus steht in meinem Leserbrief (http://literaturkritik.de/public/mails/rezbriefe.php?rid=17761#2454) unter dem Beitrag von Jan Süselbeck, den Sie hier verlinkt hatten. In dem Tagebuch wird man unmittelbar mit den schrecklichen Realitäten des Krieges aus Sicht der Frontsoldaten konfrontiert – das konnte der Film nicht wiedergeben und dagegen kommen mir manche Beiträge und Kritiken zu dem Film vor wie von einem anderen Planeten. Es ist heute schwer zu verstehen, was damals passiert ist, wie die Situation der Menschen war. Wir sollten einander zuhören, aber das funktioniert irgendwie nicht. Vielleicht am wenigstens in solchen Talkshows, in denen es doch eigentlich nur um Unterhaltung und daher Zuspitzung geht. Da konnte ich Frau Weisband gut verstehen, dass sie in einem solchen Kontext über manches lieber geschwiegen hat.

  21. Finn schreibt:

    6. April 2013 at 14:39

    Noch etwas: Vielleicht reden wir ja aneinander vorbei. Ich kann nur ein Buch empfehlen, geschrieben von Michael Wieck, der eine jüdische Mutter und einen nicht-jüdischen Vater hatte und im jüdischen Glauben in Königsberg aufgewachsen ist: Zeugnis vom Untergang Königsbergs. Ein ‘Geltungsjude’ berichtet . Es wurde auch ins Englische und Russische übersetzt. Wieck hat den Holocaust überlebt, die Bombardierung und die Besetzung durch die Sowjets – da wurde er als Deutscher wie die anderen auch betrachtet. Er hat alle Seiten erfahren und ich kenne kaum ein Buch, das so viel Menschlichkeit ausdrückt wie seines, ein Buch, das vielleicht die Sichtweise der jeweils anderen Seite verständlich machen kann – ohne das man für alles Verständnis aufbringen muss: So hat er auch darüber geschrieben, wie Deutsche, die vielleicht sogar die Nazis unterstützt hatten oder zumindest toleriert, am Ende zu überlebenden Juden wie ihm sagten, wenn die ihre Geschichte erzählten: “Was wollt ihr denn. Wir haben ja auch furchtbar gelitten.”. Das ist natürlich schrecklich, unglaublich dumm und verletztend! Was die Juden erlitten haben, und dafür waren in erster Linie Deutsche verantwortlich, hat keine andere Gruppe so erlitten – es ist unfassbar und unverzeihlich. Und das muss natürlich immer klar sein.

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