10 Kommentare

  1. Pressemitteilung und Spendenaufruf der Linksjugen [solid] Sachen-Anhalt

    Der Tod des Flüchtlings Cosmo Saizon aus Friedersdorf muss Konsequenzen haben

    Am 25. April verstarb der aus Benin stammende Cosmo Saizon im Bitterfelder Kreiskrankenhaus an den Folgen einer bisher nicht geklärten Erkrankung. Saizon beklagte sich schon am 19. April über starke Schmerzen, so dass hier der Rettungsdienst gerufen werden musste. Die Rettungssänitäter*innen hätten allerdings keine ernsthafte Erkrankung diagnostizieren können und verschrieben ihm stattdessen ein starkes Antibiotikum. Allerdings habe, so die “Heimbewohner*innen”, keine ernsthafte Untersuchung seitens der Sanitäter*innen stattgefunden. Sollte sich dies bestätigen, läge hier eine fatale Fehleinschätzung vor. Nach drei Tagen stellte sich auch mit dem Antibiotikum bei Saizon keinerlei Besserung ein und als dieser schließlich sogar den Geruchssinn verlor, musste der Rettungsdienst erneut gerufen werden. Die Bewohner*innen zitierten die Aussagen der Rettungssanitäter*innen wie folgt: „Cosmo Saizon hätte schon längst im Krankenhaus behandelt worden sein müssen.“ Die Linskjugend ['solid] Sachsen-Anhalt fordert daher die vollständige Aufklärung der genauen Todesumstände des Cosmo Saizon! Es muss geklärt werden, ob der Tod verhinderbar gewesen wäre.

    Cosmo Saizon war im Lager in Friedersdorf untergebracht, welches am 30. April von den Flüchtlingen vollständig blockiert wurde, um auf die desolaten Zustände im Lager und insbesondere auf die rassistische Behandlung durch das “Heimpersonal” aufmerksam zu machen. Bereits während des Besuchs des Sozialausschusses des Landkreises Anhalt-Bitterfeld im Oktober des letzten Jahres, an dem auch André Giebler, Mitglied im Landessprecher*innenrat der Linksjugend ['solid] Sachsen-Anhalt, teilnahm, wurde von den Bewohner*innen auf die unhaltbaren Zustände aufmerksam gemacht. „Die Raumdecken waren teilweise mit Folien abgeklebt, um die durchdringende Nässe aufzuhalten. Die Matratzen bestanden aus mehreren Einzelstücken und die Bewohner*innen behaupteten, dass die Heizung in der Nacht abgestellt werden würde“, so André Giebler. Es waren eklatante Mängel auf der gesamten Anlange festzustellen und auch bei der Blockade am 30. April wurden diese Mängel den Vertreter*innen aus der Politik erneut eindringlich aufgezeigt. Es dürfte klar sein, dass auch wenn die Ursache der Erkrankung noch ungeklärt ist, die Zustände im Lager Friedersdorf dieser Erkrankung zumindest nicht abträglich waren. “Es müssen endlich Konsequenzen seitens der Kreisverwaltung Anhalt-Bittefeld auf die neuerlichen Ereignisse folgen und ein Schlussstrich unter die unrühmliche Geschichte des Flüchtlingslagers Friedersdorf gezogen werden. Der am Endes des Jahres auf dem Prüfstand stehende Betreibervertrag muss endlich gekündigt werden”, so André Giebler.

    Bis zur genauen Klärung der Todesursache Cosmo Saizons kann kein*e Schuldige*r ausgemacht werden, außer der deutschen Gesetzgebung. André Giebler: „Die vor 20 Jahren beschlossenen Asylgesetze zwingen die Flüchtlinge in Lagern unter miserablen Zuständen zu leben. Ferner sorgt die gesetzliche Regelung im § 4 des Asylbewerberleistungsgesetzes dafür, dass eine medizinische Grundversorgung einzig bei akuter Dringlichkeit zu erfolgen hat. Fraglich aber ist, in wessen Ermessen es hier liegt, diese Dringlichkeit festzustellen?“ Denn solange weiterhin an der unmenschlichen Flüchtlingsgesetzgebung festgehalten wird, muss davon ausgegangen werden, dass hier noch weiter sinnlose Todesopfern ausgegangen folgen werden. Die Linksjugend ['solid] Sachsen-Anhalt fordert daher die Abschaffung dieser unmenschlichen Flüchtlingsgesetzgebung, damit keinem weiteren Menschen dieses Schicksal droht!

    Wir möchten auch der Familie und seinen Freund*innen gegenüber unser tiefes Mitgefühl ausdrücken und dazu aufrufen, sich an einer Spendenaktion zu beteiligen. Diese dient dem Zweck, eine Trauerfeier zu organisieren. Anderenfalls würde der Leichnam einfach verbrannt – ohne einen Hinweis auf dessen Verbleib. Auch soll Cosmo Saizon nach Benin überführt werden. Die Kontoverbindungsdaten sind: Patricia Franzelius | Ktn:1111602500 | Blz.:43060967 | Gls Bank

  2. Tim

    Gut, dass hier über diese menschenverachtenden Zustände berichtet wird. Hoffentlich passiert was…

  3. HenningM

    Schlimm. Und es ist das absolut Perfide, dass Rechte – und Bürgerliche auch schon – zuerst per Administration dafür sorgen, dass die Migranten isoliert, entmenschlicht und unter existenziellen Stress gesetzt werden, dass sis sich vollkommen überflüssig und wertlos vorkommen (vorkommen SOLLEN!), und dann schreien die gleichen Rechten/Bürgerlichen, wie “undankbar”, “unberechenbar”, “nicht integrierbar”, “schmarotzerhaft” etc. die “Fremden” doch seien! Zuerst Ghettos aufmachen, und dann die Ghettobewohner stigmatisieren, so läuft das. Ekelhaft. Aber so lange die Migrant*innen keine effektive politische Lobby haben, werden sie auch weiterhin zu Objekten gemacht, auf die man seine Angst und seinen Selbsthass projezieren kann. Das wird erst dann verschwinden, wenn die deutsche Wirtschaft derart auf “fremden” Zufluss angewiesen sein wird, dass wir wieder – wie anno 1965ff. – jeden “Fremden” mit Kusshand aufnehmen. Im Namen des Kapitalismus’, natürlich, nicht aus Menschlichkeit.

  4. stephan

    Alles seltsam. Zum einen verschreiben Rettungssanitäter keine Antibiotika, die verschreiben gar nichts, weil das nur Ärzte können. Sanitäter führen auch nie ernsthafte Untersuchungen durch, dafür sind sie nicht ausgebildet. Da schreibt die Linksjugend schon mal kompletten Blödsinn. Die Frage ist, warum der Flüchtling nicht einem niedergelassenen Arzt vorgestellt wurde. Die Frage ist einfach beantwortet: Erwachsene Menschen werden nicht vorgestellt, sie stellen sich selber vor, wenn sie sich krank fühlen. Das liegt auch nicht in der Verantwortung der Wohnheimleitung, das hätte Cosmo Saizon für sich allein oder mit seinen Freunden gemeinsam entscheiden müssen. Möglich, daß am Freitag den 19.04. kein Krankenbehandlungsschein vom Sozialamt mehr zu bekommen war, hätte aber immer noch die Möglichkeit bestanden, am Wochenenede sich in der Ambulanz eines Krankenhauses zu melden, dort wird jeder behandelt ob mit oder ohne Schein, mit oder ohne Chipkarte, die Abrechnung erfolgt im Zweifelsfall über die örtlichen Sozialämter – im übrigen sogar für Personen die sich illegal in Deutschland aufhalten. Die Pflicht der Wohnheimleitung wäre es gewesen, auf diese Möglichkeit hinzuweisen. Der Verweis auf das Asylbewerberleistungsgesetz ist perfide, weil dieses festlegt, daß Leistungen, zur “Genesung, zur Besserung oder zur Linderung von Krankheiten und Krankheistfolgen” zu erbringen sind. Im übrigen unterschlägt die sog. Flüchtlingsbewegung, daß diese Leistungen in Sachsen-Anhalt per Erlaß analog den Kassenleistungen gewährt werden, Ausnahmen bestehen allerdings für Hilfsmittel.
    Zu vermuten, daß Sani Adams in Abschiebehaft kam, weil die Wohnheimleitung Post nicht ausgehändigt hat, ist ziemlich gewagt, weil der Wohnheimleitung hier eine Straftat unterstellt wird. Allerdings ist zu hoffen, daß die sog. Flüchtlingsbewegung weiß, daß es auch Fälle gibt, in denen Abschiebungen oder die Anordnung von Abschiebehaft nicht durch die Ausländerbehörde angekündigt werden müssen, z.B. bei Abschiebungen in die angeblichen sicheren “Drittstaaten” oder wenn die betroffenen Person bereits in einem anderen EU-Land einen Asylantrag gestellt hat.

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