11 Kommentare

  1. Der Artikel beschreibt den Charakter solcher Veranstaltungen sehr gut. Hafengeburtstag, Weltastratag, Harley-Days, Länderspiel und Eurovisions-PV, Schlagermove – es gibt zahlreiche solcher Events auf Sankt Pauli. In etwas kleiner, aber genauso reglementiert, findet das jedes Wochenende auf der Reeperbahn statt. Widerlicher Gentrifizierungs-Kommerzkack.
    Man sehnt sich da zurück in die Zeiten, als die Drogenhändler noch auf dem Spielbudenplatz standen und in den Reiseführern vor einem abendlichen Besuch in dem “gefährlichen Rotlichtviertel” gewarnt wurde.

  2. Lieber M8haber,

    danke für den Kommentar.

    Solche idealisierten Sehnsüchte nach der guten alten Zeit sind mir ehrlich gesagt ziemlich fremd. Gewalt von Streetgangs und rechtsradikale Eckkneipenstammgäste fand ich auch eher – verzeihen Sie mir das Wort – unkultig. Mir fehlt insgesamt eine Idee, wo “das Viertel” eigentlich hin will, es gibt Ansätze, aber einfach nur zurück in die 1980er Jahren ist ein bisschen wenig. Daher funktioniert die Umwandlung auch so gut, denn es fehlt ein Gegenentwurf.

    Grüße
    Patrick Gensing

  3. Torge

    Schöner Text über die schöne, neue, heile, saubere Welt der “Großkopferten”.

    Alle saufen auf Kommando und machen auf Proll (oder alternativ bei den Harleydays auf nicht angepaßter, harter Rocker). Sonntag Mittag werden dann die Rabatten gepflegt, die Blumen auf der örtlichen Verkehrsinsel gegossen und der Rasen gemäht (natürlich elektrisch, wegen der Nachbarn, sie verstehn?).
    Ansonst schimpft man den Rest des Jahres in seinem spießigen Reihenhaus in Pinneberg oder Buxtehude über den Sündenpfuhl in der Großstadt und ruft nach Law & Order.

    LG
    Torge

  4. christ

    Hallo Herr Gensing, die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und markiert das Ende des Karnevals. AM Ende der Fastenzeit folgt Ostern…

    Vollkommen richtig, es hängt dennoch mit der Fastenzeit zusammen. Danke auf jeden Fall!

  5. Irgendwas fehlte mir an dem Text, aber ich konnte nicht genau benennen, was es war. Patrick, deine Erwiderung auf M8habers Kommentar fand ich scharfsinnig, die Gedanken hätten womöglich auch noch in den Artikel gepasst (ich weiß, irgendwann wird’s zu lang).

    Ich gestehe, dass auch ich mich gestern für einige Stunden auf dem Spielbudenplatz herumgetrieben und einige Biere geschlürft habe (bin dann am frühen Abend von dannen). Fand’s einigermaßen angenehm, wenn auch viel zu voll, aber ich hab’ dort natürlich nicht die zweifellos vorhandenen sexistischen Übergriffe und vollgekotzten und -gepissten Hauseingänge wahrgenommen.

  6. Kölle Alaaf

    Herbert Marcuse hat solche Phänomene (zB Oktoberfest bis Karneval, nun hat auch das protestantisch steife Hamburg halt einen Ersatz) als “repressive Entsublimierung” bezeichnet. Während bei der Sublimation Triebe, sexuelle Energien in Kulturleistungen umgesetzt werden, treten sie bei der Entsublimation ungehindert, ungestört auf, eine massive Freisetzung von Triebenergien.
    Marcuse hat solche Massenevents als repressive Entsublimation aufgefasst, weil mit dieser massiven gesteuerten Triebabfuhr später umso leichter das genaue Gegenteil aufrecht erhalten werden kann: Triebkontrolle, Rationalisierung, Konformität.

  7. dead kennedy

    Kamelle!
    Sehr schön geschriebener Artikel über “kontrolliertes Ausflippen” (toller Satz!)!

  8. Um was geht es jetzt eigentlich?
    Um die Spießigkeit des Schlagermoves?
    Um das Sich-nicht-besaufen-Dürfen in den Öffis?
    Oder um die “furchtbare” Gentrifizierung der Reeperbahn?

    Ja, ich würde mir die Reeperbahn von früher zurückwünschen, Kalle Schwensen und den Rest der Gang, bevor die anderen Abzocker kamen.
    Aber uups – die 80er will man ja auch nicht.

    Nicht jammern – machen. Vor allem Vorschläge.
    Meinetwegen dürfte der Schlagermove auch gern über die alten Elbrücken führen. Das ist auch am Wasser, aber stört die Anwohner in St.Pauli nicht.

  9. Tim

    Schlagermove ist doch der Event für die Provinzler aus dem Hamburger Umland und umzu.

  10. Tim

    Noch eine Anmerkung. Dass Städte und öffentlicher Raum besonders im Sommer zum Entertainement-Area verkommmt, ist nicht zu ändern. Bei HH kommt hinzu, dass die Stadt nur “Mega-Events” zulässt. Die Straßen werden nur für Veranstaltungen mit einer Mindestteilnehmer/-besucherzahl und mit überregionaler Bedeutung freigegeben. Wenn Initiativen/Events, die sich an die Bewohner wenden und von ihnen organisiert werden, abgeblockt werden, dann bekommt der Einwohner wirklich das Gefühl nur Staffage für die Großsponsoren zu sein.

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